Praxistipp: Vorsicht bei gebrauchten Speicherkarten.

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„Ebay macht’s einfach“. Mit dieser Werbung verspricht der Online-Markplatz nicht zu viel. Schnell ein Foto erstellt, hochgeladen, zwei Zeilen dazu geschrieben und schon findet sich „alter Krimskrams“ auf der gleichnamigen Plattform. Grundsätzlich gibt es keine Einwände dagegen – Sie sollten bei gebrauchten Speichermedien (wie Speicherkarten oder USB-Sticks) jedoch vorsichtig sein, denn Datensicherheit beginnt nicht im Großen durch das Ausspähen der NSA oder die Datensammlung von Facebook, sondern bereits im Kleinen bei Ihnen zuhause.
Eine Anleitung.

Problemaufriss

Auf die Suchanfrage „Speicherkarte“ antworte eBay mit mehr als 2600 gebrauchten Angeboten. Doch oftmals bekommen Sie hier nicht nur eine günstige Speicherkarte, sondern auch die Bilder, die zuvor auf der Karte gespeichert wurden. Auf den ersten Blick sind die Speicherkarten leer – doch mit sehr geringen Aufwand lassen sich Bilder und andere Daten wiederherstellen. Wie kann das sein? Der Verkäufer löschte doch eigentlich das Speichermedium, bevor er es zum Kauf anbot. Wie können dann trotzdem sensible Daten und Fotos noch gespeichert sein? Eine vereinfachte Antwort auf diese Frage lautet: Löschen ist nicht gleich Löschen.

Eine leere Speicherkarte lässt sich mit einem leeren Buch vergleichen. Durch die Benutzung der Karte (z.B. in einer Kamera) werden Bilddateien abgespeichert und zusätzlich eine Art „Inhaltsverzeichnis“ erstellt. Wenn der Benutzer später die Bilder am Computer auswählt und die Option „löschen“ betätig, führt dies nur zur Löschung der dem Inhaltsverzeichnisses des Buchs entsprechenden Daten. Die tatsächlichen Bilder bleiben allerdings auf der Karte gespeichert. Sie sind bloß nicht mehr sichtbar und der Speicherplatz erscheint wieder als frei.

Problemlösung

Um die Rechte am eigenen Bild zu wahren und sie nicht unkontrolliert an unbekannte Dritte weiterzugeben, sollten Sie zwei Arbeitsschritte unternehmen, um auch wirklich eine leere Speicherkarte zu verkaufen.

1. Speichermedium sicher überschreiben

In einem ersten Schritt sollten Sie das Speichermedium mehrfach von einem Programm überschreiben lassen. Auf diese Weise werden alle noch vorhandenen Fotos und Dateien mit dem Wert „0“ überschrieben und damit unbrauchbar. So lassen sich hinterher auch unsichtbare Bilder nicht mehr wiederherstellen. Für diesen Arbeitsschritt existieren bereits viele Programme.

Windows-Nutzer können beispielsweise auf das Tool Disk Wipe zurückgreifen. Das Datenlöschungs-Tool Disk Wipe tut genau das, was der Name verspricht. Es entfernt Daten restlos von Festplatten, Speicherkarten oder USB-Sticks, sodass sie sich auch mit professionellen Wiederherstellungs-Tools nicht wiederherstellen lassen.

Mac-Nutzer können sich dem bereits installierten Festplattendienstprogramm bedienen. So gehen Sie hier vor:

  1. Starten Sie das Festplatten-Dienstprogramm (unter Programme/Dienstprogramme).
  2. Schließen Sie nun den zu löschenden Datenträger an Ihren Mac an.
  3. Wählen Sie in der linken Spalte des Fensters den zu löschenden Datenträger aus.
  4. Anschließend wählen Sie in der rechten Spalte die Registerkarte „Löschen“.
  5. Klicken Sie die Schaltfläche „Sicherheitsoptionen“. Es werden Ihnen drei möglichen Löschverfahren angeboten: das einfache, siebenfache oder 35-fache Überschreiben.
  6. Wählen Sie das gewünschte Löschverfahren (mindestens siebenfaches Überschreiben) und bestätigen Sie die Wahl durch Klicken auf die Schaltfläche „OK“.
  7. Starten Sie den Löschvorgang durch Klicken auf das Schaltfeld „Löschen“. Je nach Größe des Datenträgers und gewähltem Löschverfahren kann der Vorgang nun mehrere Stunden in Anspruch nehmen.

2. Selbst eine Wiederherstellung durchführen 

Abschließend können Sie sich mit einem Wiederherstellungsprogramm davon überzeugen, dass sich nach der Überschreibung des Speichermediums keinerlei Bilder oder andere Daten wiederherstellen lassen. Hier gilt der Grundsatz: Was Sie mit einschlägigen Wiederherstellungsprogrammen nicht wieder lesbar machen können, kann wohl auch kein Dritter reproduzieren. Hierfür finden sich ebenfalls viele brauchbare Tools. So können sich Mac-User beispielsweise MiniTool Mac Data Recovery und Windows-Anwender DataRecovery bedienen.

Fazit

Investieren Sie folglich nicht nur Zeit für eine ansprechende Artikelbeschreibung, wenn Sie bei ebay gebrauchte Speichermedien verkaufen, sondern löschen Sie ihre (persönlichen) Daten vorher sicher.

Wenn Sie den zweiten Schritt der Anleitung auf eine von Ihnen gebraucht gekaufte Speicherkarte anwenden, werden Sie überrascht sein, was sich wiederherstellen lässt …

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Bildquelle

Pixabay (CCO Public Domain)

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Über den Autor

Mein Name ist Julius S. Schoor. Ich bin Rechtsanwalt und spezialisiert auf IT-Vertragsrecht. Seit 2011 bin ich als Datenschutzbeauftragter TÜV-zertifiziert und bereits für mehrere Unternehmen als solcher offiziell bestellt.

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