Was haben ein Vibrator, Weihnachten und Datenschutz gemeinsam? Mehr als gedacht…

Julius S. Schoor
2 min.

Das Jahr 2017 neigt sich dem Ende entgegen. Weihnachten steht vor der Tür – die Zeit für Familie, festliches Essen und Geschenke. Die Frage „Was soll ich verschenken?“ kann für ungemütliche Weihnachtsstimmung sorgen. Der Anspruch steigt und die Angebotsvielfalt ist uferlos. Achten Sie aber unbedingt darauf, dass Sie Ihre persönlich(st)en Daten nicht verpackt und mit Schleife dekoriert unter den Weihnachtsbaum legen! Auch die Erotikindustrie entdeckte das Weihnachtsgeschäft und nutzt es für sich. Doch schon bei der Wahl der Geschenke muss man sich vor Augen führen, wer hier letztlich der Beschenkte sein soll. Kurzum: Möchten Sie ein Produkt verschenken oder ein Produkt erzeugen?

Problemaufriss – Vibrator mit WLAN und Kamera

Neben Erotikartikeln in Weihnachtskalendern ist die Vielfalt der Angebotspalette auch für Heiligabend grenzenlos, jede Nachfrage findet ein passendes Angebot.

Der technologische Fortschritt zeigt sich auch hier: So gibt es beispielsweise inzwischen Vibratoren, die vom anderen Ende der Welt mittels App oder aber über das heimische WLAN  ferngesteuert werden können. Das ist allerdings längst noch nicht alles. Nunmehr berücksichtigt der Markt auch die Nachfrage nach Vibratoren mit Kamera. Auf den Seiten der Hersteller heißt es hierzu: „…Momente der Liebe durch aufgenommene Bilder und Videos zum Leben erwecken….“

Versetzen Sie sich in die Situation, die auf einer wahren Begebenheit basiert und in den USA zu einer Millionen-Dollar-Klage (für den Hersteller) führte: Wegen einer sich anbahnenden Geschäftsreise schenkte ein Mann seiner Frau einen Vibrator zu Weihnachten, um die Zeit der Fernbeziehung „entspannter“ zu überbrücken. Dabei ahnte der Mann nicht, dass er nicht nur ein Produkt verschenkte, sondern ebenfalls ein neues Produkt erzeugte, nämlich die Intimsphäre seiner Frau.

Denn eben dieser Vibrator besaß eine Kamerafunktionalität. Ob diese Funktion zwingend notwendig ist und welche „Vorteile“ hiermit verbunden sind, bleibt Ihrer Fantasie überlassen und soll vorliegend nicht näher beleuchtet werden.

Gleichwohl ist hierbei interessant, dass durch die zusätzliche Implementierung einer Kamerafunktion naturgemäß höchst intime Momente erfasst werden, welche im Rahmen des Datenaustausches – hier durch Übermittlung der aufgenommenen Kamerabilder – selbstverständlich durch Hacker an- und abgreifbar sind.

Dabei bedarf es im Zweifel nicht einmal eines Hackerangriffs im klassischen Sinne. Denn häufig ist es so, dass das Webinterface mit voreingestellten Zugangsdaten ausgestattet ist, wobei die SSID des WLAN-Access-Points direkt nach dem Gerät benannt wird. Benutzername und Passwort sind standardisiert – d.h. beim Kauf der Endprodukte immer gleich. Damit wird jedem Laien klar, dass der Angriff auf diese standardisierten Sicherheitseinstellungen nahezu einladend wirkt. Auch im Internet gibt es bereits zu Hauf Anleitungen, wie man ohne großen Aufwand auf die Gerätschaften zugreifen kann.

So geschehen.

Die Vorstellung, dass ein 15-Jähriger aus Bandar Seri Begawan oder auch gerne ein 80-Jähriger aus Castrop-Rauxel in Deutschland, Ihre intimsten Momente mitverfolgen und aufzeichnen kann, ist nicht nur frappierend, sondern bezieht sich auch auf alle anderen vergleichbaren Endgeräte. Denken Sie dabei insbesondere an Babyfongeräte, die ebenfalls vorkonfigurierte und immer gleiche „Sicherheitseinstellungen“ aufweisen und damit kinderleicht angreifbar sind.

Fazit

Zunächst einmal drängt sich die Frage auf, ob die Kamerafunktion für die Funktionalität eines Vibrators notwendig ist und wenn ja, um welchen Preis? Diese Frage muss sich jeder im Hinblick auf den Schutz seiner Daten und die Wahrung der Intimsphäre selbst beantworten. Letztlich besteht nicht nur die Gefahr des Datenmissbrauchs durch (kriminelle) Dritte – wie beispielsweise Hacker – sondern schon die reguläre Datenerhebung und Speicherung auf den Servern der Hersteller/Anbieter ist höchst problematisch. In dem erwähnten Fall in den USA willigte der Vibrator-Hersteller inzwischen ein, jedem US-Nutzer die Summe von 10.000 US-Dollar (etwa 9.350 Euro) als Entschädigung zu zahlen, dessen Daten über die App auf den Servern des Unternehmens gespeichert wurden.

Schaffen also erst gar keine Gelegenheit, dass solche Daten von Ihnen und über Sie erhoben, übertragen und gespeichert werden.

Gleiches gilt für Babyfongeräte, Webcams und Selfie Kameras. Wenn die visuelle Aufzeichnung/Überwachung nicht nötig ist, dann kleben Sie die Kameralinse doch einfach ab.

Darüber hinaus sollten Sie voreingestellte Passwörter umgehend ändern. Der Maßstab für „sichere“ Passwörter wurde auf diesem Blog bereits vorgestellt.

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Titelbild (CCO Public Domain)

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Über den Autor

Mein Name ist Julius S. Schoor. Ich bin Rechtsanwalt und spezialisiert auf IT-Vertragsrecht. Seit 2011 bin ich als Datenschutzbeauftragter TÜV-zertifiziert und bereits für mehrere Unternehmen als solcher offiziell bestellt.

1 Kommentar

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  • Hallo Julius,

    Dein Text ist auf jeden Fall sehr aufschlussreich, macht mir aber auch etwas Sorgen. Ich will als Frau sicherlich keinen Vibrator, der über W-LAN und vor allem eine Kamera verfügt. Für die professionelle Pornoindustrie mag das ja was sein aber, für mich als Privatfrau eher nicht. Sicherlich sehen andere Frauen das anders und finden die Idee gut, ich aber nicht. Ich finde ja schon die Auswahl von den modernen Vibratoren etwas zu groß, wie man sie immer wieder auf unseriösen Webseiten finden kann (Negativbeispiel: https://www.lovetoy-erfahrung.de/vibrator/). Ich habe meinen Mann und das reicht mir vollkommen. Ich will niemanden angreifen oder verurteilen, der solche Dinger nutzt, aber für mich ist das einfach nichts. Ich habe mich einfach nur mal so informiert, da wir am überlegen waren, ob das was für uns ist, sind uns jedoch einig, dass sich der Kauf eher nicht lohnt.

    LG Sabrina

    Sabirna 4 Monaten ago Reply


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