Kein Backup, kein Mitleid

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Die digitale Existenz (die immer größere Dimensionen einnimmt) braucht einen Platz. Einen sicheren Platz. Doch Speicher- und Backup-Lösungen kommen auch 2017 selten wirklich smart daher. Das Bedürfnis nach (Daten-)Sicherheit spüren sicher viele von uns – aber konkrete Maßnahmen ergreifen leider längst nicht alle. Erst bei einem Datenverlust entdecken Betroffene die Wichtigkeit von regelmäßigen und sicheren Backups. Soweit muss es aber nicht erst kommen.

Warum sollten Sie überhaupt regelmäßig Backups erstellen?

Zugegeben: Das Thema „Datensicherheit“ kommt nicht besonders sexy daher. Es ist aber ungemein wichtig. Stellen Sie sich vor, dass alle Ihre digitalen Urlaubs- und Familienerinnerungen in Form von Fotos und Videos mit einen Schlag und unwiederbringlich weg wären. Kein schöner Gedanke. Aber auch wichtige Dokumente und digitale Belege wären sicher ein großer Verlust für Sie. Der Klassiker ist eine fast fertige Haus-, Bachelor- oder Doktorarbeit, die durch einen Datenverlust verloren geht und leider kein Backup vorhanden ist. In solchen Situationen prägen IT-Fachleute nicht selten den Spruch:

„Kein Backup, kein Mitleid“.

Nicht alles, was „Backup“ heißt, ist auch wirklich sicher

Bevor Sie einen unfreiwilligen Datenverlust erleiden (müssen), sollte eine Backup-Lösung her, die ihren Namen verdient. Vor einigen Jahren brannte ich noch regelmäßig wichtige Dateien auf CDs und DVDs. Später wurden die Datensicherungen auf die Rohlinge durch externe Festplatten oder USB-Sticks ersetzt. Aber machen wir uns nichts vor: Die Festplatte erst auf der Schreibtischschublade heraussuchen, anschließen und nun die wichtigsten Daten per Hand auf das Speichermedium verschieben – das macht keinen Spaß und besonders sicher ist es übrigens auch nicht.

Mit einer Faustformel zu mehr Datensicherheit: Die 3-2-1-Regel

Es gibt viele komplizierte Backup-Lösungen, die zumeist durch verwirrende IT-Abkürzungen bereits im Vorfeld abschrecken. Das Zauberwort für die sichere Speicherung von Dateien heißt beispielsweise: „Raid“, es steht für „Redundant Array of Independent Disks“. Das wollen und müssen Sie sich nicht merken.

Neben diesen künstlich wirkenden Abkürzungen kann auf eine einfache Faustformel zurückgegriffen werden: Die 3-2-1-Regel. Der Fotograph Peter Krogh ist ein Vertreter dieser (Faust-)Regel. Krogh unterscheidet zwei Gruppen von Menschen: Menschen, die bereits von einem Speicherausfall betroffen waren, und Menschen, denen ein solcher Ausfall noch bevorsteht.

Die 3-2-1-Regel der Datensicherung besagt:

  • Sie brauchen stets DREI Kopien Ihrer Daten und
  • diese Kopien müssen auf ZWEI unterschiedlichen Medien(-typen) gespeichert und
  • EINE Kopie Ihrer Backups muss an einem externen Speicherort gesichert sein.

Der geneigte Leser wird fragen: Warum brauche ich gleich drei Kopien und wieso ist ein weiteres Speichermedium nötig?

Die Antwort lässt sich auf ein Wort reduzieren: Ausfallwahrscheinlichkeit.

Wenn Sie beispielsweise einen Desktop-Computer mit zwei identischen (festverbauten) Festplatten betreiben, die auch noch von der gleichen Firma, gleichem Typ und auch noch aus der gleichen Produktionsreihe sind, dann ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass beide Festplatten zur gleichen Zeit den Geist aufgeben. Ihr regelmäßiges Hin- und Herschieben von wichtigen Daten von der einen auf die andere Festplatte kann sich daher schnell als unzureichend herausstellen.

Sollte der gesamte Rechner gestohlen (bei einem Wohnungseinbruchsdiebstahl) oder zerstört werden (bei einem Feuer) stehen Sie vor dem gleichen Problem. Aus diesem Grund sollten Sie stets eine Kopie an einem externen Speicherort aufbewahren.

Praktische Empfehlungen für die Umsetzung einer Backup-Lösung 

Natürlich wäre es toll, wenn es eine Lösung gäbe, die die 3-2-1-Regel mit einem Komplettpaket abdeckt und bestenfalls auch nichts kostet. Ganz so einfach ist es leider nicht. Dennoch kann ich Ihnen einige Empfehlungen aussprechen.

Regel 1 und 2: Drei Kopien auf zwei unterschiedlichen Medien

Besorgen Sie sich einen Netzwerkspeicher mit mindestens zwei Festplatten. Das Zauberwort hier heißt: „NAS“ – wieder eine künstliche Abkürzung, die für „Network Attached Storage“ steht. Die Abkürzung und deren Bedeutung können Sie wieder vergessen, aber merken sollten Sie sich, dass diese Systeme aus mindestens zwei Festplatten bestehen, die sich ständig spiegeln und eine hohe Ausfallsicherheit besitzen. Speichern Sie also etwas auf Ihrem Netzwerkspeicher, so werden automatisch zwei Kopien angelegt – eine Kopie wird auf der ersten Festplatte abgelegt und die zweite Kopie speichert das System auf Platte Nummer zwei. Mit dem Netzwerkspeicher bzw. dem sog. NAS-System werden also neben Ihren Originaldaten zwei Kopien auf zwei unterschiedlichen Speichermedien erstellt; Regel 1 und 2 erfüllt.

Persönlich empfehlen kann ich ein System von Western Digital: „My Cloud EX2 Ultra“. Es ist schnell und einfach eingerichtet. Dafür benötigen Sie keine Netzwerkkenntnisse oder besonderes Fachwissen; vieles erklärt sich selbst und ist gut dokumentiert.

Regel 3: Eine Kopie an einem externen Ort

Wie gesagt: Der beste Netzwerkspeicher nützt Ihnen nichts, wenn er mit Ihrem Rechner verbrennt, gestohlen wird oder einem Hochwasser zum Opfer fällt. Daher brauchen Sie noch eine weitere Kopie an einem (sicheren) externen Ort. Auch hier ein Zauberwort: Cloud. Das Angebot von Cloud-Diensten ist riesig und kaum noch zu überblicken. Einer der populärsten Anbieter ist wohl Dropbox. Sie sollten sich bei Cloud-Lösungen jedoch nicht für das erstbeste, sondern für ein sicheres Angebot entscheiden. Schließlich geht es um die Frage, wo Sie Ihre privaten und geschäftlichen Dokumente, Fotos oder Videos hochladen und aufbewahren. Dienste wie Dropbox oder Google-Drive haben Ihre Server(-farmen) in den USA stehen. Damit können Sie nicht auf die Anwendung von deutschem oder europäischem Datenschutzrecht hoffen.

Daher empfehle ich Ihnen einen Anbieter aus Deutschland, der auch seine Server in Deutschland betreibt. Sehr gute Erfahrungen machte ich mit ownCloud und Seafile. Beides sind Open-Source-Cloud-Lösungen, die sehr hohen Wert auf Verschlüsselung und Datensicherheit legen. Beim Hosting-Anbieter wint.gloubal erhalten Sie 5 GB kostenlosen ownCloud-Speicher, der sich wunderbar für die ständige Sicherung von wichtige Dokumente, Kontakte und Kalendereinträge eignet – ohne auf Google, Apple oder Microsoft angewiesen zu sein. Für umfangreiche Foto- und Videosammlung kann es damit aber schnell schwierig werden, denn diese benötigen häufig sehr viel Speicherplatz und den lassen sich die Cloud-Anbieter teuer bezahlen.

Fazit

Von schon abschreckenden Abkürzungen wie NAS oder RAID sollten Sie sich nicht einschüchtern lassen. Es lohnt sich in Backup-Lösungen Geld und Zeit zu investieren, da die meisten Daten bei einem Verlust unwiderruflich verschwunden sind. Dies gilt es zu vermeiden. Die 3-2-1-Regel und einige meiner persönlichen Empfehlungen helfen Ihnen hoffentlich dabei, möglichst lange der Gruppe angehören, die (noch) keinen persönlichen Datenverlust erlitten hat.

Welche Backup-Lösungen benutzen Sie? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht – haben Sie bereits einen Datenverlust erlitten? Schreiben Sie es in die Kommentare! Ich bin gespannt.

 

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Titelbild (CCO Public Domain)

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Über den Autor

Mein Name ist Julius S. Schoor. Ich bin Rechtsanwalt und spezialisiert auf IT-Vertragsrecht. Seit 2011 bin ich als Datenschutzbeauftragter TÜV-zertifiziert und bereits für mehrere Unternehmen als solcher offiziell bestellt.

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