Snap Map – kindliche Avatare (ver)bergen ernstzunehmende Gefahren

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Ein Instant-Messaging-Dienst im Jahre 2017 muss definitiv mehr können, als „nur“ Nachrichten und Bilder zu versenden. Snapchat schlug daher einen anderen Weg ein und verzückt die Nutzer mit ständig wechselnden Filtern, die wahlweise das gesamte Bild oder nur Teile des Kopfes „verschönern“ (sollen). Trotz des permanenten Wechsels der Filter (zur Wahl stehen beispielsweise verspiegelte Pilotenbrillen, bunte Haarkränzen oder eine Einhorn-Animationen) musste etwas Neues her. Im Wettbewerb um mehr Aufmerksamkeit (und mit Konkurrenten wie Instagram im Nacken) wurde die Snap Map eingeführt.

Wer und was durch diese Map zu finden ist, lesen Sie hier.

Was ist die Snap Map eigentlich?

Die Funktion Snap Map ermöglicht es den Nutzern nicht nur, den Standort ihrer neuesten Aufnahme wie bislang via einfügbarer Ortsfilter mitzuteilen, sondern der eigene Aufenthaltsort wird immer angezeigt, wenn die App läuft (ob im Vorder- oder Hintergrund spielt dabei keine Rolle).  Der Pin mit dem eigenen Bitmoji-Avatar auf der Karte ändert und aktualisiert sich ständig, sobald sich der Nutzer (mit dem Smartphone) fortbewegt. Jede Bewegung lässt sich auf diese Weise eins zu eins nachverfolgen. Andere Snapchat-Nutzer können mithilfe des Zooms ganz genau sehen und nachverfolgen, wo sich der andere Nutzer gerade befindet; die Nachverfolgung ist auf wenige Meter (erschreckend) genau. Mit dieser Darstellungsgenauigkeit lässt sich sogar erkennen, in welchem konkreten Gebäude sich der User gerade aufhält.

Ein Beispiel für die Genauigkeit der Darstellung (von unterwegs)

Die kindliche Gestaltung überdeckt die Gefahren der Nutzung

Die Bitmoji-Avatare auf der Karte sind aufwendig gestaltet, detailreich personalisiert und wirklich sehr schön anzuschauen – sie erinnern ein bisschen an die App Pokémon Go. Dadurch wird der Karten-Funktion etwas Unscheinbares, gar Spielerisches verliehen. Gerade jüngere Nutzer (und das dürfte ein großer Teil der Zielgruppe sein) werden durch die infantile Gestaltung von den eigentlichen Gefahren abgelenkt. Sie werden Snap Map wohl häufig nur aus der Perspektive heraus nutzen, dass sie andere Nutzer oder Hotspots (also Orte, an denen gerade eine hohe Snapchat-Aktivität festzustellen ist) sehen können. Die andere Perspektive, dass die anderen Nutzer im Gegenzug auch sie metergenau orten können, werden die meisten wohl nicht gleich durchdenken.

Snapchat weiß nicht nur wo Sie sind, Snapchat weiß auch, was Sie dort machen

Wenn es Ihnen wie mir geht und Sie sich bereits jetzt schon gruseln, dann müssen Sie stark sein, denn der Snapchat-Verfolgungswahn erreicht noch eine weitere Stufe. Die App erkennt nämlich auch, ob Sie gerade Musik hören (siehe Screenshot), mit dem Auto unterwegs sind oder ob Sie Sport treiben. Diese Aktivitäten werden ebenfalls durch Ihren Bitmoji-Avatar in der Kartenansicht dargestellt. Die App greift hierfür auf andere Programme zu, die Sie gerade auf Ihrem Smartphone ausführen – beispielsweise die Musik-, Navigations- oder Jogging-App. Aus diesen Daten zählt Snapchat eins und eins zusammen und wenn bei Ihnen „Life is Life“ auf die Kopfhörer schallt, dann bekommt Ihr Bitmoji-Avatar eben auch einen Kopfhörer aufgesetzt – all Ihre Freunde können nun sehen, dass Sie gerade Musik auf den Ohren haben.

Schränken Sie Snap Map ein oder (besser) deaktivieren Sie die Funktion ganz

Man muss den Teufel nicht an die Wand malen und vor Gefahren, wie Kidnapping oder Einbrüchen warnen. Doch es soll schon vorgekommen sein, dass sich Nutzer bei Facebook in den Urlaub verabschiedeten und anschließend in eine leergeräumte Wohnung zurückkehren mussten. In solchen Situationen können die Versicherungen möglicherweise von einem Mitverschulden ausgehen und sich bei der Schadensregulierung querstellen. Da ist der Spaß schnell vorbei.

Daher gilt es die Frage zu beantworten: Wie sollten Sie mit der Snap Map verantwortungsbewusst umgehen?

Grundsätzlich sieht Snapchat drei Einstellungsmöglichkeiten der Sichtbarkeit vor:

  1. Alle Freunde: Sie können immer von all Ihren Freunden auf der Karte (inkl. Ihrer Aktivitäten) gesehen (und verfolgt) werden. Aus datenschutzrechtlicher Sicht ist dies natürlich die problematischste Einstellung, die Sie NICHT auswählen sollten. Sie ist allerdings standardmäßig (seitens Snapchat) voreingestellt.
  2. Ausgewählte Freunde: Die zweite Möglichkeit besteht in der Beschränkung. Hier können Sie einzelne Kontakte Ihrer Freundesliste freigeben – nur diese können Sie anschließend auf der Karte (vertreten durch Ihren Bitmoji-Avatar) sehen. Diese Einstellung wäre ein Kompromiss, wenn Sie mit Ihren (besten) Freunden und Familienmitgliedern die Funktion nutzen möchten. Pflegen und überdenken Sie jedoch die Auswahl Ihrer freigegebenen Kontakte sehr kritisch und vergessen Sie bitte nicht, dass Smartphones auch (durch Diebstahl oder Verlust) in fremde Hände gelangen können.
  3. Ghost Mode (nur ich): Schlussendlich bleibt Ihnen die dritte Möglichkeit: Mit dem sog. „Ghost Mode“ sehen Sie all Ihre Freunde (die die Einstellung 1 oder 2 wählten) und können alle anderen Funktionen der Snap Map nutzen. Der entscheidende Unterschied besteht aber darin, dass Sie im wahrsten Sinne des Wortes ein Geist sind – Sie werden nicht mehr auf der Karte dargestellt und Ihr Avatar bekommt (für die eigene Darstellung) – statt dem Kopf – ein snapchateigenes Geist-Symbol.

Hier sehen Sie die erfolgreiche Anwendung des „Ghost Mode“

Fazit

Auch wenn Sie sich für die dritte Option entschieden, kennt Snapchat weiterhin Ihren Standort, das ist der App immanent. Dem können Sie nur entgehen, wenn Sie auch  gegenüber Snapchat die Standortfreigabe abschalten, indem Sie Ihre Standortdaten ganz ausschalten. Dazu in den Einstellungen des Smartphones die App auswählen, auf „Standort“ klicken und „Nie“ wählen.

Falls Sie Ihre Einstellung im Nachhinein ändern möchten: Öffnen Sie die Snap Map und klicken Sie oben rechts auf „Einstellungen“. Dort können Sie erneut auswählen, wer sie künftig verfolgen darf.

Im Ergebnis müssen Sie auf nichts verzichten. Ihnen wird nichts vorenthalten, wenn Sie den „Ghost Mode“ einstellen. Sie entscheiden sich damit nur für einen Filter der besonderen Art: Sie filtern die Mitteilung Ihres Standortes und Ihrer Aktivitäten gegenüber Ihren Snapchat-Kontakten und gegenüber dem Unternehmen selbst.

Für welche Einstellung haben Sie sich entschieden? Schreiben Sie es in die Kommentare und lesen Sie auch meinen anderen Artikel zu Snapchat und den Datenschutzbestimmungen!

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Über den Autor

<p>Mein Name ist Julius S. Schoor. Ich bin Rechtsanwalt und spezialisiert auf IT-Vertragsrecht. Seit 2011 bin ich als Datenschutzbeauftragter TÜV-zertifiziert und bereits für mehrere Unternehmen als solcher offiziell bestellt.</p>

2 Kommentare

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  • Lieber Herr Schoor, ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie diesen Artikel veröffentlicht haben. Als Lehrerin und Mutter ist es mir ein Anliegen, auch bei diesen (für meine Generation) exotischen Themen den Überblick zu behalten.

    Susanne Körner 5 Monaten ago Reply


    • Es freut mich sehr, dass Ihnen der Beitrag gefällt. Gerne nehmen wir auch Anregungen für neue Themen entgegen. Wenn Ihnen etwas auf den Nägeln brennt oder Sie zu einem bestimmten Thema immer schon eine Frage haben, dann schreiben Sie uns einfach im Kommentarfeld oder über „Kontakt“ – wir greifen Ihr Thema gerne auf.

      Juilus S. Schoor 5 Monaten ago Reply


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